Mit Lust und Liebe.
Homosexuell leben.
(Fassung vor der Endredaktion - 20.1.1998)
Einige Änderungen bezüglich HuG/HuK-Adressen etc..)
Impressum
Herausgeber: HUK - Homosexuelle und Kirchen (Nunmehr HuG - Homosexuelle und Glaube)
Eine Gruppe von homo-, bi- und heterosexuellen Frauen und Männern, verschiedener Konfessionen, die sich kritisch und konstruktiv mit Sexualität, Religion und Kirche auseinandersetzen. Die HUK bietet wöchentliche Treffen und feiert ökumenische Gottesdienste. Sie mischt sich in die Kirchenpolitik ein und fordert eine aufrichtige Beschäftigung mit Homosexualität. Dafür betreibt sie Bildungs- und Informationsarbeit in Schulen, Gemeinden und Medien.
Homosexualität gilt weit und breit als heikles Thema. Viele offene Fragen, viel Unsicherheit. Die einen haben dieses oder jenes gehört, wissen aber doch nicht so recht Bescheid und kennen meist auch keine Lesben oder Schwulen persönlich. Andere wiederum haben jemanden im Freundeskreis oder in der Verwandtschaft und interessieren sich deshalb für das Thema. Und dann gibt es jene, die sich selbst zu Menschen des eigenen Geschlechts hingezogen fühlen. Auch sie haben Fragen und möchten mehr wissen.
Mit dieser Broschüre wollen wir Euch allen Mut machen, Euch mit dem auseinanderzusetzen, was für homosexuelle Menschen und ihr Leben wichtig ist. Mit ihren Problemen und ihren Freuden. Wir wollen zeigen, daß es um eine Fähigkeit zur Liebe geht. Um Freude und Lust. Um Zärtlichkeit und Geborgenheit. Und wir wollen zeigen, daß viele Bilder über Lesben und Schwule falsch sind und daß es darum geht umzudenken - damit sich Schwule und Lesben in unserer Gesellschaft nicht diskriminiert, sondern angenommen und sicher fühlen.
Es geht um Liebe. Punkt.
"Mit fünfzehn verliebte ich mich in meine beste Freundin. Ich war sehr verwirrt, daß ich eine Frau liebte. In meinem Kopf drehten sich die Fragen: Bin ich normal? Kann das sein? Bin ich lesbisch? Was sagen die anderen, wenn sie es erfahren?"
Nina, 17
"Es war auf einem Sessellift. Irina, meine beste Freundin in der Schule, und ich saßen nebeneinander. Nach langen, mühsamen Versuchen, es ihr beizubringen, brachte ich es endlich doch über die Lippen. Und prompt kam ihre Reaktion: Na und?" Das war es dann."
Stefan, 18
Die eigene Sexualität zu entdecken ist für alle aufregend. Lesben und Schwule erleben dabei aber etwas Spezifisches: das Coming-Out ("Herauskommen"). Es bedeutet das Annehmen der eigenen homosexuellen Gefühle und Wünsche, sie zuzulassen und mit ihnen leben zu lernen, sich anderen mitzuteilen und andere Schwule oder Lesben kennenzulernen.
So wie alle - und doch anders.
Da in unserer Gesellschaft die gleichgeschlechtliche Liebe noch immer nicht als selbstverständlich und "normal" gilt, haben es Lesben und Schwule schwerer. Sie müssen gegen ein Tabu leben und ihre Identität gegen den Strom erkämpfen. Und das kann sehr mühsam sein. Andererseits ist es ein schönes und befreiendes Gefühl, wenn Menschen, die man mag, über einen Bescheid wissen und man nicht mehr hinter einer Fassade leben muß. Das Coming-Out setzt früher oder später ein, dauert unterschiedlich lang und geht mehr oder weniger tief.
"Meine ersten Gefühle für Männer hatte ich schon sehr früh, ungefähr mit zwölf. Ich hoffte immer, daß es nur eine homosexuelle Phase sei, die irgendwann wieder vorbei sein würde. Natürlich ging sie nicht vorüber."
Erich, 18
"Als meine Mutter mir sagte, daß sie lesbisch ist, machte ich mir Gedanken darüber, und ich konnte mir vorstellen, selbst einmal eine Freundin zu haben. Vielleicht würde ich mich am besten als bisexuell bezeichnen."
Anita, 23
Einige von ihnen werden sich ihrer sexuellen Ausrichtung nie wirklich bewußt, sie glauben heterosexuell zu sein, weil sie ja auch so leben. Andere ahnen ihre Orientierung oft bereits ab der Pubertät, wollen sich diese aber nicht wirklich eingestehen und vermeiden jeden körperlichen Kontakt, der auch nur annähernd als homosexuell gelten könnte, z.B. Berührungen. Andere wiederum verhalten sich eindeutig homosexuell, würden sich aber nie als "schwul" bezeichnen. Nicht wenige fassen den Mut erst mit vierzig oder noch später: So lange hatten sie es nur geahnt und doch verdrängen können. Einfacher haben es da jene, die schon mit dreizehn oder vierzehn wissen, wie es um sie steht, und das auch als selbstverständlich akzeptieren. Und damit es nicht zu einfach ist: Viele Menschen sind bisexuell und erleben von daher noch mehr Verunsicherung. Sie alle erleben ähnliche und doch unterschiedliche Probleme und Herausforderungen.
"Ich konnte mir nicht vorstellen, wie meine Eltern reagieren würden, wenn sie erfahren sollten, daß ihr einziger Sohn auf Männer steht. Ich hörte von Fällen, wo sie ihr Kind vor die Tür setzten. Ich fürchtete mich, daß sich ihre Bösartigkeit gegen Peter richten könnte, mit dem ich seit über einem Jahr gehe und den sie auch kennen, ihn bis jetzt natürlich nur für einen Kameraden halten. Eines Abends habe ich dann mit Mama über alles gesprochen. Es war zu sehen, daß sie geschockt war, und sie fragte mich, ob ich das nicht ändern könnte. Gleichzeitig meinte sie, daß ich immer ihr Sohn sein werde, daß sie mein Vertrauen schätze und daß ich mich an sie und Papa immer wenden könne. Ja, und daß ich es im Leben wohl sehr schwer haben würde. Zwei Tage später lud sie Peter dann zum Mittagessen ein."
Mark, 16
Das Erwachsenwerden ist die Zeit, wo wir beginnen, uns ernsthaft mit Liebe, Partnerschaft und Sex zu beschäftigen. Bei Jugendlichen ist das natürlich Thema Nr.1. Zwar wird Homosexualität in Jugendzeitschriften immer öfter thematisiert, trotzdem scheint unsere Welt ausschließlich hetero zu sein. In der Schule lautet das ärgste Schimpfwort noch immer "Du schwule Sau!" oder "Na, bist a Lesbe?" Oft haben auch Eltern kein fundiertes Wissen über die Homosexualität und schaffen mit abfälligen Äußerungen - wenn auch unbedacht - ein wenig vertrauensförderndes Klima.
Darum haben homosexuelle Jugendliche große Angst, daß ihre Gefühle bekannt werden könnten. Sie geben sich als Heteros oder schweigen zu dem Thema. Viele probieren auch aus, ob es nicht doch mit andersgeschlechtlichen Partnern "funktioniert", oft mit großen Schlappen und Enttäuschungen. Ein Coming Out in der Schule oder zuhause trauen sich die wenigsten, oder es erfahren nur ganz "Auserwählte", eben beste Freunde und Freundinnen.
Der einzig wirklich sinnvolle Weg ist jedenfalls der der Offenheit und Ehrlichkeit zu sich selbst und den anderen. Und die Erfahrung zeigt, daß die Angst vor einer Ablehnung im Freundeskreis und in der Familie doch meist übertrieben ist. Denn nicht selten erwächst aus einem Anfangsschock Akzeptanz, manchmal sogar Bewunderung für den Mut, zu sich selbst zu stehen.
Ehrlich sein zu sich selbst und den anderen.
Erfreulicherweise herrscht in den Schulen immer mehr Offenheit. Und da ist zu hoffen, daß die LehrerInnen nicht länger von der berühmten "Phase, die vorübergeht" sprechen, sondern die Homosexualität als das nehmen, was sie ist: eine Möglichkeit, Liebe, Zärtlichkeit und Glück zu erfahren.
Die Angst vor der Reaktion der Eltern ist meist die schwerste Belastung im Coming-Out.
Gänzlich ablehnende Reaktionen kommen zwar vor, sind aber recht selten und dauern dann auch meist nicht lange. Oft ahnen Eltern nichts von der Homosexualität der Tochter oder des Sohnes und sind dann sehr überrascht. Dann durchleben sie auch eine Art Coming-Out, wo sie mit der für sie neuen Situation zurecht kommen müssen. Besser ist jedenfalls, sie erfahren es direkt als über Umwege von dritten. Mütter tun sich in der Regel leichter als Väter. Kirchliche Eltern kommen damit erfahrungsgemäß weniger gut zurecht. Freudensprünge aber macht sicher niemand von ihnen, schon deswegen, weil sie einsehen müssen, daß es ihr Kind in vielem schwerer haben wird, oder auch, weil wahrscheinlich keine Enkel zu erwarten sind.
Die Angst vor diesem speziellen Coming-Out kennen alle. Im Gespräch aber läßt sich vieles klären. Etwa, daß die Eltern sicher nicht "schuld" sind. Viele machen sich den Vorwurf: "Was haben wir bloß falsch gemacht"? Der aber ist unbegründet. Die Schuldfrage stellt sich angesichts der Ursachenforschung nicht. Wichtig ist jedenfalls, die Homosexualität als grundsätzlich unveränderliche und somit zu akzeptierende Lebensrealität zu nehmen. Sie ist weder moralische Verirrung noch Sünde. Mit verantwortlich gelebter Homosexualität wird ja niemandem geschadet, im Gegenteil, sie kann zwei Menschen glücklich machen. Und das überzeugt meist. Denn welche Eltern wollen keine glücklichen Kinder? Andere Ängste sind: Wie werden die Verwandten, die Nachbarn reagieren? Kann man "es" heilen? Wird er oder sie es nicht einmal schwerer haben im Leben? Werde ich also niemals Enkelkinder haben? Diese Fragen und Sorgen verlieren erfahrungsgemäß mit zunehmender Akzeptanz der neuen Situation ihre Dringlichkeit und Wichtigkeit.
Relativ häufig ist die Reaktion der Eltern eher ruhig. Das große Schweigen bricht aus. Oft kommt es aus der mangelnden Vertrautheit mit dem Thema. Manchmal bedeutet es sogar Ignoranz oder Angst. Und das spürt der junge homosexuelle Mensch. Die Vertrautheit geht verloren, das Klima ist schlecht. Und ob es der Partner oder die Partnerin in diesem Umfeld leicht hat, ist fraglich. Selten, daß die Eltern wirklich so liberal sind und daher völlig locker damit umgehen können, und auch da bleibt die Homosexualität meist - wenn auch nicht als "Problem" - so doch ein Thema.
Glück hängt davon ab, ob jemand geliebt wird und lieben kann!
Viele Schwule und Lesben sprechen das Thema, v.a. wenn ihr Kontakt nach Hause sowieso spärlich ist, überhaupt nie an. Die Eltern ahnen manchmal irgendwas, schweigen ihrerseits natürlich auch, weil sie fürchten, ihr Kind vielleicht zu verletzen oder angelogen zu werden. Manche Eltern schicken ihre Kinder aus Ratlosigkeit zum Hausarzt oder Psychiater, um sie "heilen" zu lassen - ein vergeblicher und unnötiger Versuch. In ganz seltenen Fällen kommt es zu Verstoßung aus dem Familienverband und zur Enterbung.
In manchen Städten gibt es inzwischen Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, wo Eltern ihre Probleme untereinander oder mit PsychologInnen besprechen können. Erfahrungsgemäß entlastet sie das sehr, weil das große Schweigen gebrochen wird und sie Vertrauen in der Tatsache finden, daß ihr Kind auch als homosexueller Mensch glücklich sein kann.
"Bei uns hat es schon ein zwei Jahre gebraucht, bis wir mit der neuen Situation einigermaßen klargekommen sind. Geholfen hat uns ein Buch. Über unseren Sohn ist uns dann bewußt geworden, daß Eltern seiner Freunde oft noch viel größere Probleme mit dem Schwulsein ihres Sohnes haben und so haben wir dann einmal im kleinen privaten Kreis Eltern zu uns nach Hause eingeladen. Daraus ist eine Gruppe geworden. Wir haben auch eine Psychologin eingeladen. Die Ängste der Eltern waren oft noch viel schlimmer als die von uns. Aber die Treffen haben uns wirklich sehr viel gebracht, und zwar allen die da waren."
Ruth, 49, Mutter eines schwulen Sohnes
Liebster Alex! Wien, 2. März
Du wirst Dir denken, na endlich rührt er sich. Und Du hast recht. Ich hätte früher schreiben sollen. Auch wollen, aber es ist soviel dazwischen gekommen. Laß Dir erzählen:
Stefan und sein neuer Freund - ich glaub, Du kennst ihn eh, Mario heißt er - sind überraschend früher gekommen. Also: Wienführung, Lokaltour, Gastgeber sein. Außerdem hab ich vorgestern blöderweise vergessen, den Schlauch von der Waschmaschine.....na kannst Dir denken, was für eine Bescherung..... Die Hofers unterhalb sind ziemlich sauer. Ich hoff nur, die Versicherung zahlt den Maler.
Zu dem ganzen Chaos kommt noch, daß ich grad echte Zores mit meinem Papa hab, wegen der Prüfung, die ich abgesagen mußte.
Mit einem Wort, es geht drunter und drüber, und das sind auch die Gründe, warum ich mich so spät rühr.
Sag mal, wie gehts denn Dir? Hoffentlich ist das Seminar so, daß sich's ausgezahlt hat, bis nach Innsbruck zu fahren. Ja? Oder ist's recht öd?
Alex, Du gehst mir ab. Ich merk das erst immer so recht, wenn ich Dich ein paar Tage nicht seh.
Das mit dem Wutanfall vor Deiner Abfahrt tut mir übrigens im nachhinein echt leid. Es war auch wirklich blöd von mir. Aber ich konnte nicht anders. Jetzt denk ich mir, daß es gar nicht der kaputte Koffer war, der mich so geärgert hat, sondern ich wollt halt einfach nicht, daß Du wegfährst für zwei Wochen. Ohne mich.
Weißt eh, daß es in zwei Wochen so weit ist, daß wir uns drei Jahre kennen? Bin schon am Überlegen, wie wir das feiern. Wär es nicht eine Gelegenheit, Deinen Eltern endlich reinen Wein einzuschenken? Die müssen doch schon längst ahnen, daß unsere Beziehung was andres ist als eine gute WG-Freundschaft! Das gibt's ja nicht, daß sie nicht kapieren, daß wir schwul sind. Alleine wie wir miteinander umgehen. Dann immer gemeinsam weg im Sommer. Das gemeinsame Schlafzimmer. Überhaupt die ganze Wohnung. Die müssen sich doch längst was denken.
Vielleicht faßt Du doch einmal Mut. Ich hab's auch überlebt. Klar, war's am Anfang ein Wahnsinn, vor allem für die Mama, aber inzwischen .... Gestern erst hat sie für Stefan, Mario und mich einen Kuchen gebracht. Aber ich seh schon, über Dein Problem mit Deiner Mama wird's wieder Debatten geben, wenn Du zurück bist!
Jetzt mach ich aber Schluß. Verbring noch erfolgreiche Tage in Innsbruck und laß Dir's doch auch gut gehen! Schön, wenn Du wieder zurück bist!
Bussi,
Dein Florian
In unseren Köpfen und Herzen existieren ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was Sexualität ist. Den Begriff selbst gibt es erst seit dem späten 19. Jahrhundert. Oft wird Sexualität bloß auf Fortpflanzung eingeschränkt. Sexualität hat aber viele Gesichter: Sprache und Kommunikation - Lust und Spaß - Geborgenheit und Zärtlichkeit - Erleben von Vitalität und Selbstbestätigung - Kreativität und Spiel - Aggressionsabbau und Entspannung - und auch Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Leider steht Sexualität manchmal auch im Zusammenhang mit Gewalt.
Wenn es in Gesprächen um Homosexualität geht, ist nicht immer klar, was darunter verstanden wird. Eine Erklärung folgender Begriffe ist daher notwendig:
- körperliches Geschlecht - einen weiblichen oder männlichen Körper haben; sehr selten gibt es auch Zwitter mit beiden Geschlechtsmerkmalen
- geschlechtliche Identität - sich selbst als Frau oder Mann fühlen; bei Transsexuellen und Transgender-Personen deckt sich das innere Erleben nicht mit dem körperlichen Geschlecht
- sexuelle Orientierung - sich zum anderen oder zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, d.h. hetero- oder homosexuell sein; wenn das Interesse in beide Richtungen geht, sprechen wir von bisexuell, und das gilt in unterschiedlichsten Abstufungen für mindestens die Hälfte aller Menschen (!). Die Grenzen sind in Wirklichkeit viel fließender, als es die historisch geschaffenen Begriffe fassen können, oder anders, diese Begriffe erwachsen einem akademischen "Kasteldenken" des 19. Jahrhunderts und sind am besten als Grundausrichtung zu verstehen
- sexuelles Verhalten - wie und mit wem man tatsächlich Sex hat; sexuelle Orientierung und sexuelles Verhalten decken sich nicht immer
- soziales Geschlecht - sich entsprechend einer Frau oder einem Mann verhalten (so problematisch diese Trennung auch ist, denn was bedeutet denn schon, sich typisch "weiblich" oder typisch "männlich" zu verhalten); Transvestiten überspringen diese klarerweise stark kulturell geprägten Grenzen und "schlüpfen" in die soziale Rolle des anderen Geschlechtes; Schwule, die dies tun, oft nur um die Rollenmuster zu parodieren oder zu irritieren, nennt man Tunten oder Queens; "butch and femme" sagt man in Amerika zu betont männlich bzw. weiblich auftretenden Lesben
Gay: Englisches Wort für "fröhlich, lustig". In einer Nebenbedeutung eben auch "homosexuell". Es wird für Frauen und Männer angewendet.
Homosexualität - homosexuell: Ein Begriff, der eigentlich mit Vorsicht zu verwenden ist. Er wurde vor kaum hundert Jahren wahrscheinlich vom ungarischen Arzt Károly M. Benkert geprägt. Mit "Homosexualität" wird im Gegensatz zur "Heterosexualität" die gleichgeschlechtliche Sexualpräferenz beschrieben. Problematisch daran ist, daß damit Menschen auf ihre Sexualität reduziert werden. Auch entspricht das Schubladendenken "Hetero" und "Homo" nicht der vielfältigen Wirklichkeit, denn die Grenzen sind fließend und viele erleben sich als bisexuell. Michel Foucault meinte sogar, daß mit eifrigen Selbstbenennungen wie "Gay-Pride", "Schwul" etc. die jahrhundertelange "negative" Diskriminierung als "positive" Diskriminierung fortgesetzt und erst ein schweigsame Selbstverständlichkeit echter Akzeptanz entsprechen würde.
Angesichts der Tabuisierung und Diskriminierung von Menschen, die nicht der heterosexuellen Norm folgen, ist es trotzdem sinnvoll, am Begriff Homosexualität festzuhalten: Denn im Coming-Out dient er vielen Menschen noch immer als Orientierungshilfe. Eine lange totgeschwiegene Menschengruppe kann so Identität und Wahrnehmung erfahren. Vielleicht werden Worte wie "homosexuell, schwule, lesbisch" im Zuge gesellschaftlicher Akzeptanz tatsächlich einmal überflüssig.
Aber noch sind wir nicht so weit, und so kann vielleicht gerade die Benennung und Sichtbarkeit anderer Formen der Sexualität den Blick für neue Formen des Zusammenlebens weiten und zu einem Überdenken der alten Geschlechterrollen anregen - damit unsere Beziehungen lebendiger und bunter werden, unsere Zärtlichkeit, gerade unter Männern, mutiger, unsere Freiheit größer.
Homophilie - homophil: Bezeichnet die gleichgeschlechtliche Liebe.
Lambda: Im griechischen Alphabet der Buchstabe "L". Steht für "liberation" (Befreiung) und ist zugleich eine Anspielung auf Lesbos.
Lesbe - lesbisch: Geht auf die antike Dichterin und Erzieherin Sappho zurück, aus deren Feder sehr schöne Liebesgedichte an Frauen stammen. Sie lebte im 6. Jh. vor Christus auf der Insel Lesbos.
Red Ribbon: Rote Stoffschleife. Drückt Solidarität mit AIDS-Kranken und Positiven aus.
Regenbogen - Rainbow: Symbolisiert die Buntheit der lesbischen und schwulen Welt. Meist als Flagge.
Rosa Winkel: Ihn mußten Homosexuelle in den KZ der Nazis tragen. Symbol der langen Unterdrückungsgeschichte.
Schwuler - schwul: Stammt aus dem Norddeutschen mit der Bedeutung "schwül, zwielichtig, uneindeutig". Als Schimpfwort wurde das Wort ab dem 18. Jh. auf homosexuelle Männer angewendet. Bekannt ist auch die Redewendung "in Schwulitäten kommen". Es meint ganz allgemein in Schwierigkeiten kommen. Erst in unserem Jahrhundert wurde "schwul" von der Schwulenbewegung positiv umgedeutet und zum politischen Kampfwort.
Sodomit: Mittelalterliche Bezeichnung, die auf die "Sünde von Sodom" zurückgeführt wurde, in Wirklichkeit aber ein Mißverständnis darstellte: Die Sünde der Einwohner Sodoms war nicht die Homosexualität, sondern die Verletzung des Gastrechts. Heute bedeutet Sodomie sexuelle Handlungen mit Tieren.
Stonewall - Christopher Street Day: Name eines Lokals in der New Yorker Christopher Street. Nach einer Polizeirazzia formierten sich dort Ende Juni 1969 spontan eine Demonstration, die zur zweiten - von gay-pride getragenen - Schwulen- und Lesben-Bewegung führte.
TransGender oder TransX: Menschen, die ihre Geschlechtsidentität anders als ihr körperliches Geschlecht erleben. Ein Unterscheidung, die mit den englischen Begriffen "gender" und "sex" möglich ist. Sie sind in unserer Gesellschaft besonderer Diskriminierung ausgesetzt.
Wie wird man/frau homosexuell?
Häufig wird die Frage gestellt, warum gibt es eigentlich homosexuelle Menschen? Wie wird man so? Was sind die Ursachen?
Wir wissen es nicht.
Wir können jedenfalls davon ausgehen, daß sich in jeder Gesellschaft einige Prozent der Menschen zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen. Sonst haben wir viele Theorien und ein durchaus überraschendes Zwischenergebnis.
Genforscher sagen, daß in den Herkunftsfamilien der Mütter von homosexuellen Söhnen Schwule gehäuft auftreten. Auch eineiige Zwillinge, die ja das selbe Erbgut haben, weisen in hohem Maße dieselbe sexuelle Orientierung auf. Dann wurde angeblich sogar eine Zone im Genom entdeckt, auf der sich ein "Homosexualitätsgen" befinden soll. Die Vererbung der Homosexualität ist aber komplizierter, und stets greifen angeborene und im Verlauf des Lebens, vor allem in der frühen Kindheit erworbene Anteile ineinander. Von psychologischer Seite wird angenommen, daß auch die Umwelt (Erfahrungen mit den frühen Bezugspersonen in der Kindheit) noch in den ersten drei, vier Lebensjahren mitentscheidet, ob jemand schließlich hetero-, bi- oder homosexuell ist. Wahrgenommen wird die in der frühen Kindheit festgelegte Orientierung freilich meist erst ab der Pubertät oder später und ist als Basisorientierung auf einem Kontinuum von Bi-Sexualitäten zu verstehen.
Und wer könnte schon behaupten, Homosexualität käme in der Natur nicht vor!
Es läßt sich also der heutige Stand der Erkenntnis folgendermaßen formulieren: Eine wichtige Rolle bei der Ausbildung der sexuellen Orientierung spielen genetische Faktoren. Psychologische Einflüsse wirken ebenfalls mit, aber sicher nur im Laufe der frühen Kindheit und nur auf Basis der anderen Faktoren. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Entstehung der Homosexualität nur in diesem Zusammenspiel erklärbar ist. Noch weniger als die männliche ist die weibliche Homosexualität erforscht. Und: Genauso viel Unklarheit herrscht über die Entstehung der Heterosexualität!
Wenn etwas gut und schön ist, warum muß ich es dann erklären? Wer erklärt schon die Heterosexualität?
"Jetzt sind wir 43 Jahre beisammen. Heute ist es so
leicht im Vergleich zu früher. Dabei hatten wir als Frauen nie einen
Rechtfertigungsdruck, warum wir zusammen leben, zwei Freundinnen halt. Bei Männern war
das früher sicher ganz anders. Heute gehen wir auf jede Demo mit, auch bei der
Regenbogenparade. Schön, die vielen jungen Leute! So bunt, mein Gott, gegen früher! Es
wird wirklich besser, langsam, aber doch!"
Helene, 72, und Rosa, 78
"Mich hat die Situation damals in den Alkoholismus getrieben. Die Einsamkeit, der Druck. Schrecklich. Bei den Anonymen Alkoholikern habe ich mich gefangen. Und ich vergönns den Jungen, daß sies heute leichter haben."
Erich, 66
Homosexuelle Frauen und Männer finden wir in jeder Altersstufe, in ganz verschiedenen Bewußtseinsstadien und Lebensformen: ledig oder verheiratet, befreundet oder alleinstehend, selbstbewußt auftretend oder verschämt, offen oder versteckt. Und nicht nur jung, sondern auch älter oder wirklich schon alt. Ältere Lesben und Schwule hatten in ihrer Jugend noch ganz andere Verhältnisse erlebt, eine Gesellschaft mit viel größeren Vorurteilen und auch ganz anderer rechtlicher Lage als heute: So wurde Sex zwischen Männern in Österreich bis 1972 mit Gefängnis bestraft (sogenanntes Totalverbot). Deswegen trauten sich nur sehr wenige, offen zu ihrer Homosexualität zu stehen, selbst im engsten FreundInnenkreis. Heute liegen ihre Probleme anderswo: Die Zeiten werden insgesamt liberaler, dafür aber ist es für Ältere nicht leicht, in der jugenddominierten Szene angenommen zu werden. Als Reaktion darauf entstanden Gruppen, denen Gemeinschaft und Geselligkeit wichtig ist, Werte, die sie in ihrer Jugend vermißt haben. Auf jeden Fall gibt es auch alte Lesben und Schwule in jahrzehntelangen Beziehungen, sozusagen "alte Ehepaare" mit denselben liebenswerten und schrulligen Eigenheiten wie bei den Heteros. Interessant ist, daß doch immer wieder Menschen in höherem Alter den Mut zu einem späten Coming-Out finden - meist nachdem die eigenen Kinder aus dem Haus sind.
Sag niemals, daß es zu spät ist.
Es ist zu hoffen, daß sie in der lesbisch-schwulen Familie ein Zuhause finden und wir in unserer Gesellschaft die Werte jeder Lebensphase zu schätzen lernen und die Gräben zwischen den Generationen überwinden können.
"Das größte Problem war das Alleinsein. Ich kannte keinen einzigen Schwulen, weder einen Bekannten noch irgendeinen entfernten Verwandten. Niemand war schwul - dabei mußte es doch so viele geben."
Toni, 22
"Zur Zeit schwebe ich auf Wolken und bin mit meiner Freundin sehr glücklich! Noch vor einem Jahr hätte ich mir das nie träumen lassen. Scheu haben wir uns aneinander herangetastet, irgendwann sind die Mauern gebrochen, und wir haben uns gefunden. Das Hochgefühl jetzt am Anfang unserer Beziehung belohnt uns für all die Zweifel und Ängste die Jahre zuvor. Sicher wird einmal der graue Alltag kommen, wie in allen Beziehungen, aber noch genießen wir unsere Liebe ungemein!"
Renate, 19
Die Homosexualität wie die Heterosexualität meint nicht nur sexuelle Orientierung, sondern auch die Fähigkeit zu einer Beziehung. Die meisten sehnen sich nach einer dauerhaften Partnerschaft. Lesben und Schwule haben dabei zwei Nachteile. Einmal, daß sie sich - weniger als Heterosexuelle - an Vorbilder anlehnen können. Denn wer kennt schon schwule oder lesbische Pärchen? Die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau bei Heterosexuellen - mit all ihrer Problematik - kann nicht so einfach übernommen werden. Das schafft Unsicherheiten, eröffnet aber auch Freiräume und Chancen. Da müssen eben die Aufgaben, z.B. im Haushalt, selbständig - und hoffentlich gerecht! - aufgeteilt werden. Für manche vielleicht eine Überforderung, für die anderen aber eine Möglichkeit zu wirklicher Gleichberechtigung.
Eine zweite Schwierigkeit ist die geringere Wahrscheinlichkeit, im Alltagsleben andere Lesben bzw. Schwule zu erkennen, denn wer läuft schon mit einem Schild herum. Da heißt es dann umso mehr, auf Blicke zu achten und einfach ein Gespür zu entwickeln. Und natürlich gibt es als weitere Möglichkeit die sogenannte "Szene" mit Lokalen und Gruppen verschiedenster Art. Sie finden sich vorwiegend in größeren Städten und bieten einen geschützten Raum, andere kennenzulernen und einen FreundInnenkreis aufzubauen. Trotzdem haben die meisten beim ersten Schritt in ein Lokal Schweißausbrüche, um dann festzustellen, wie "normal" es da zugeht und es bald als vertraut zu erleben.
"Manchmal erlebe ich die Szene wie eine zweite Familie, auch wenn sie diesem Anspruch nicht voll gerecht wird. Dennoch weiß ich eines: Zusammen sind wir stark!"
Daniela, 17
Manche erleben die Szene hingegen problematisch, weil sie nicht den geeigneten Lokaltyp finden oder weil sie mit dem zum Teil oberflächlichen und inkommunikativen Umgangsstil nicht zurecht kommen. Und es ist ja auch nicht einfach, mit wildfremden Leuten ein Gespräch anzufangen. Viele suchen sich als Alternative daher ein Zuhause in Gesprächsgruppen oder Organisationen der lesbisch-schwulen "Bewegung".
"Ich habe jahrelang unter der geschniegelten, mode-, geld- und jugendbestimmten Szene mit ihren Klischeegesichtern gelitten. Cool und arrogant mußt du sein, und sehr schön, nur ja nicht dick und alt."
Franz, 26
Ein traditionelles Vorurteil besagt, daß zwei Frauen beziehungsweise zwei Männer einander nicht wirklich ergänzen könnten. Ein Blick in die Realität lesbischer oder schwuler Beziehungen zeigt, daß das schlicht und einfach falsch ist. Frauen wie Männer sind so verschieden! Weich oder hart, durchsetzungskräftig oder nicht, gut beim Kochen, handwerklich und sportlich begabt, sensibel oder cool. Wir sollten endlich sehen, daß das "typisch Männliche" und das "typisch Weibliche" Fiktionen sind und nur allzuoft der Stabilisierung des Patriarchats dient. Sie sind höchstens Tendenzen, Pole auf einem breiten Band von Möglichkeiten. Und jeder, ob Frau oder Mann, hat Anteil an beiden. Außerdem ist jeder Mensch so reich an verschiedenen Eigenschaften und Begabungen, daß die Wahrscheinlichkeit starker charakterlicher Ähnlichkeit zwischen zwei Partnern sehr gering ist, und wenn, heißt das noch lange nicht, daß die Beziehung deswegen nicht trotzdem schön und tief sein kann.
In der Zeit meiner 14-jährigen Ehe wurde ich Vater von drei Kindern, war erfolgreich in meinem Beruf - rundum das Bild einer harmonischen Ehe. Mein Schwulsein war über all die Jahre ein untergeordnetes Thema, schlief aber nie ganz. Mit 38 drängte es sich auffallend ins Bewußtsein. Mit 40 dann verliebt in meinen Freund, einen Familienvater. Mit 41 war ich von meiner Frau geschieden und zog mit ihm zusammen - auch er geschieden. Unsere Wege trennten sich aber nach einer Zeit. Und dann trat wieder ein verheirateter Mann mit Kindern in mein Leben. Darf ich sein Geliebter sein? Warum bin ich nicht immer schon mit einem Mann, meinem Mann, verheiratet gewesen?
Ronald, 43
Zwei Freundinnen von uns leben in Dänemark, sie sind staatlich als Paar registriert, häßliches Wort. Und in der Kirche haben sie auch geheiratet. Na, das ist doch was!
Irmi, 30, und Sofie, 26
Viele homosexuelle Menschen sind verheiratet.
Manche von ihnen sind sich zur Zeit der Heirat ihrer wirklichen Orientierung nicht oder nicht voll bewußt. Sie halten sich für heterosexuell oder sind erst am Beginn ihres Coming-Outs.
Andere wiederum bezweifeln, daß eine stabile und emotional reiche gleichgeschlechtliche Partnerschaft möglich ist. Homosexuelle Paare sind ja tatsächlich kaum sichtbar - und so fehlt es häufig an Vorbildern.
Auch der Druck, von der gesellschaftlichen Norm nur ja nicht abzuweichen, kann homosexuelle Menschen zum Eintritt in die Heteroehe oder eheähnliche Lebensgemeinschaften bewegen. Ehe ist dann Flucht.
Anderen wiederum sind Familie und Kinder so wichtig, daß sie darauf nicht verzichten wollen. So gibt es sehr viele Lesben und Schwule, die eigene Kinder haben.
Probleme ergeben sich mit einem etwaigen Coming-Out: die eigene Irritation und die der Ungebung. Die Kinder reagieren, wenn man sie einweiht, erfahrungsgemäß tolerant und verständnisvoll. Schwierigigkeiten sind berechtigterweise bei Nachbarn und Bekannten zu erwarten. Einen wirklichen Schock hingegen erlebt der Ehepartner oder die Ehepartnerin. Nicht selten kommt es zur Scheidung. In seltenen Fällen werden die Kinder der lesbischen Mutter oder dem schwulen Vater zugesprochen.
Gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Kindern aus der frühen Ehe begegnen dieselben Vorbehalte wie Männer- oder Frauenpaaren, die Kinder adoptieren wollen. (Selbst in europäischen Ländern mit staatlich registrierter Partnerschaft, z.B. Skandinavien, Niederlande, wird ihnen die Adoption oder das Sorgerecht von Kindern noch nicht zugestanden.) Man traut ihnen nicht zu, daß sie sehr wohl zu ganzheitlicher und psychisch ausgewogener Erziehung von Kindern und Jugendlichen in der Lage sind. Dahinter steckt einmal mehr die Angst um die traditionellen Frauen- und Männerbilder. Und dann die Befürchtung, die Kinder könnten auch homosexuell werden. Oder die Sorge, das "mütterliche" oder das "väterliche" Element wäre nicht gegeben, was bei den Kindern zu emotionalen Defiziten führen könnte. Zahlreiche Studien aus Amerika, wo es bereits viele solcher Paare gibt, widerlegen diese Vermutungen eindeutig: Diese Kinder durchlaufen in intellektueller, emotionaler und sozialer Hinsicht dieselbe Entwicklung wie Kinder aus Heterobeziehungen. Das heißt, lesbische Mütter und schwule Väter sind in gleicher Weise fähig, Kinder zu erziehen, wie heterosexuelle Eltern.
Als relativ neues Phänomen gibt es offen lebende Lesben und Schwule, die ganz bewußt eine Lebensgemeinschaft - einschließlich Elternschaft - eingehen.
Eine weitere Frage in diesem Zusammenhang ist die nach kirchlichen Segnungen homosexueller Paare. In Österreich haben 1997 die Synoden der altkatholischen und der evangelischen Kirche die grundsätzliche Möglichkeit solcher liturgischen Feiern beschlossen. Inoffiziell und geheim - also hinter verschlossenen Kirchentüren - segnen aber auch katholische Priester. Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare sind allerdings nichts Neues, da es solche vom 4.-18. Jh im griechisch-byzantinischen und slawischen Raum gab und in zahlreichen kirchlichen Handbüchern belegt sind.
Was machen die eigentlich im Bett?
Vielleicht sind auch beim Sex - wie in der Beziehungskultur - Schwule und Lesben weniger stark durch gesellschaftliche Konventionen vorgeprägt. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits macht es angst, wenn kaum Verhaltensmuster zur Verfügung stehen, an denen sich jemand orientieren kann, andererseits sind die eigene Phantasie und Entdeckerlust gefragt, weil es kein festgelegtes "Programm" gibt.
Erfüllende Erotik ist eine Kunst. Sie gehört kultiviert. Sie braucht Phantasie, sie braucht Lust am Spiel, sie ist ein Tanz, sie geht an Grenzen, sie läßt die Zeit stillstehen und macht Vergänglichkeit fühlbar. Sie fordert die ganze Vielfalt der Ausdrucksformen des Körpers, von der ausgedehnten Zärtlichkeit, der Liebkosung des ganzen Körpers, vom Küssen, Streicheln, Sich-Reiben bis zur heftigen leidenschaftlichen und impulsiven Aktivität und Durchdringung. Da unterscheiden sich hetero- und homosexuelle Menschen überhaupt nicht. Bei Lesben und Schwulen weit verbreitet und meist lustvoll kultiviert ist das manuelle Stimulieren und der Oralverkehr. Viele, aber längst nicht alle Schwulen praktizieren Analverkehr. Im übrigen gehört auch für viele Heterosexuelle Analverkehr zu den Standards ihrer Sexualität.
AIDS gilt nach wie vor als tödliche Immunkrankheit. Aufgrund intensiver Forschungen stehen uns heute Medikamente und Therapien zur Verfügung, die den Krankheitsausbruch verzögern und den Krankheitsverlauf stark verlangsamen. Auch wenn der völliige Sieg über das HI-Virus noch aussteht, so ist die Lebenserwartung Positiver heute doch schon sehr stark erhöht. Leben mit AIDS heißt also in erster Linie LEBEN. Und zwar immer länger und besser LEBEN. Und es heißt auch BEWUSSTER leben, neue Lebenspläne aufstellen. Infiziert oder erkrankt sein heißt eben nicht, daß jetzt alles aus ist. Das Leben geht weiter .- und zwar mit neuen Chancen und bewußterem Blick für das Wesentliche.
AIDS ist keine Schwulenkrankheit. Der Ausbruch dieser Krankheit um 1980 in Schwulenkreisen hat dieses Bild geprägt. Es entspricht aber keineswegs mehr der Realität. Die Rede von "Risikogruppen" ist also völlig veraltet. Man spricht besser von "Risikoverhalten". Und dieses ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Es gilt also für alle, sich und andere vor einer möglichen Ansteckung zu schützen: durch Safer Sex. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß es auch andere sexuell übertragbare, aber kaum bekannte Krankheiten gibt, etwa Hepatitis C, die noch leichter übertragen wird und auch sehr gefährlich ist.
Angst vor dem Anderssein
Viele Homosexuelle leben mit massiven Schuldgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen. Nicht wenige treibt es in den Selbstmord. Sie kennen schwere Depressionen, haben Schlaf- und Eßstörungen oder stürzen sich in Hobbies oder Sport. Solche Anzeichen können ihre wirkliche Ursache in der Verdrängung der sexuellen Orientierung haben. Manche glauben auch, sich mit Alkohol und anderen Drogen helfen zu können, schaden sich dabei aber nur selbst bis hin zur Selbstzerstörung.
Homosexuelle gelten bei einem großen Teil der Bevölkerung als abnormal. Die gängigen Vorurteile und Klischees werden von ihnen oft verinnerlicht: Abnormalität, Unnatürlichkeit, Krankhaftigkeit, Gewalttätigkeit ("Mord im Homo-Milieu"), Kinderverführung. Diese falschen Bilder setzen sich in ihnen fest und schädigen ihr Selbstvertrauen. Weil man ihre reale Lebenswelt nicht wahrnimmt - ihre Liebe, ihren Alltag, mit Arbeit, Einkaufen, Urlaub etc. - glauben sie selbst nicht an ihre Möglichkeiten.
Angst vor der Einsamkeit
Nach der Entdeckung der eigenen sexuellen Orientierung stellt sich oft das Gefühl ein, der oder die einzige auf der Welt zu sein. Das gilt im besonderen, wenn jemand in einem kleinen Ort auf dem Land lebt. Um so erfreulicher erzählen viele Lesben und Schwule von ihrer ersten Begegnung mit anderen homosexuellen Menschen und bezeichnen es als ein "Nach-Hause-Kommen": Da ist jemand, der oder die ähnliche Erfahrungen macht, eine ähnliche Sprache spricht. Überraschend ist für sie, daß die anderen ganz "normale" Menschen und gar nicht schräg oder verrückt sind.
Angst vor Verletzung und Ablehnung
Die Angst vor der Reaktion der Familie und der FreundInnen ist die schwerste Belastung im Coming-Out. In den meisten Fällen sind die Reaktionen beim Outing aber wesentlich positiver als erwartet. Viele erfahren dabei sogar eine Vertiefung der Beziehungen, weil ab da sehr offen über wichtige Lebensfragen gesprochen werden kann. Freilich gibt es auch andere Fälle: Wo sich Eltern Selbstvorwürfe machen ("Was haben wir falsch gemacht?"), um die Zukunft ihres homosexuellen Kindes fürchten, darunter leiden, nicht Großeltern zu werden. Aber auch Enterbung und Familienausschluß kommen vor.
Angst am Arbeitsplatz
Die Akzeptanz von homosexuellen Menschen ist in den gesellschaftlichen Bereichen sehr unterschiedlich. In manchen Berufssparten ist von einem Selbstouting tatsächlich abzuraten. Mobbing, Kündigung sind keine Einzelfälle. Dabei wird man von Dienstgeberseite wohl immer andere Gründe vorschützen. Es ist im Bereich der Arbeitswelt daher zu besonderer Vorsicht geraten.
Die Lesben- und Schwulenbewegung fordert aus diesem Grund vehement ein Antidiskriminerungsgesetz.
"Wieso werden Schwule und Lesben diskriminiert? Ich denke, daß dies oft auf Unwissen und Angst zurückzuführen ist. Deshalb ist es wichtig, daß wir Schwulen und Lesben uns nicht verstecken - raus gehen, zeigen, daß wir Menschen sind mit genau den gleichen Gedanken und Sorgen. Daß wir auch einer Arbeit nachgehen und in Urlaub fahren, Gefühle empfinden, verletzlich sind. Wer uns näher kennt, braucht seine falschen Bilder nicht mehr." Roman, 29
"Träume? Ich denke, Träume hat jeder. Ich träume oft davon, wie schön es wäre, als nichts Außergewöhnliches angesehen zu werden, als normal zu gelten. Es tut mir nicht mehr weh, wenn sich jemand nach mir und meinem Freund umschaut und uns blöd angafft. Ich finde es nur schade. Wäre es nicht toll, wenn sie sagen würden: Schau dir mal dieses schöne Paar an. Sind sie nicht lieb? Mich würde das total freuen! Ich möchte mit meinem Freund durch die Stadt gehen können, ihn umarmen und küssen, auch in der Öffentlichkeit. Ich möchte keinSchlafzimmer-Schwuler" sein. Gibt es etwas Schöneres, als verliebt zu sein? Jemandem in die Augen zu sehen und einfach nur das Kribbeln im Bauch zu spüren, das einem verrät, daß er der richtige ist? Oder jemandem einen Kuß auf den Bauch zu geben? Vor lauter Glück etwas ganz Verrücktes zu machen. Da spielt es doch keine Rolle, ob schwul, lesbisch oder hetero - glücklich iund zufrieden sein ist eben nicht von der sexuellen Orientierung abhängig."
Roger, 17
Warum haben so viele Menschen Probleme mit der Homosexualität? Weil sie von ihr ein verzerrtes Bild haben. Vorurteile, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und, wie Geschichtsforscher nachweisen, ihre Wurzeln oft weit zurück in der Geschichte haben.
Schon die Germanen kannten die Todesstrafe für schamanische Transvestiten der alten Wanenreligion (im Moor versenken). Auch in der griechischen Antike war es nicht so einfach, wie oft angenommen wird. Zwar hatte in Griechenland die Liebe zwischen einem erwachsenen Mann und einem jungen Burschen zu gewissen Zeiten eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung und guten Ruf (= Päderastie), trotzdem können wir nicht sagen, daß Homosexualität, wie wir sie heute verstehen, akzeptiert war: Denn unter reifen Männern, unter Frauen und auch mit Sklaven galt Homosexualität als verpönt. Die erlaubte päderastische Beziehungsform hatte Erziehungsfunktion (Einführung in die Mannbarkeit) und mußte mit Erreichung des vollen Bartwuchses des Jüngeren enden. Auf der Insel Lesbos lebte im 6.Jh. v. Chr. die große Dichterin Sappho, die sich in ähnlicher Weise um die Erziehung von Mädchen annahm. Plato äußert sich aber auch gegenüber der Päderastie kritisch, und in der Spätantike verschlechterte sich das Klima dann zusehends.
Im römischen Reich war die Homosexualität überraschend akzeptiert. Die Selbstverständlichkeit, mit der in städtischem Umfeld damit umgegangen wurde, läßt sich in einem erstaunlichen Aufblühen homoerotischer Literatur ersehen. Aus verschiedenen Gründen kommt es in der christlichen Ära dann aber zu einer allgemeinen Sexualfeindlichkeit - Sex nur zum Zweck der Vermehrung - und damit zur Ablehnung und Verfolgung Homosexueller. Im 4. Jh. gibt es bereits die Todesstrafe, die wir ab 1532 im kaiserlichen Recht Karls V festgeschrieben finden und die erst um 1800 in lange Haftstrafen umgewandelt wird. Durch die Jahrhunderte hat sich vor allem auch die Kirche mit der Anprangerung der "Sodomie" hervorgetan und nicht davor zurückgescheut, homosexuelle Menschen dem Feuertod übergeben zu lassen. Doch gab es auch im Mittelalter überraschenderweise Blütezeiten "homosexueller" Kultur (z.B. um 1200 in ganz Europa). In dieser Zeit wurde der abfällige Begriff "Sodomit" durch das positive "Ganymedier" (Ganymedes = Liebhaber und Mundschenk des Zeus) ergänzt oder sogar verdrängt.
Im 19. Jahrhundert hat sich die Medizin - zuerst speziell die Gerichtsmedizin, später die Psychiatrie - der Homosexualität "angenommen": Homosexualität als Ausdruck innerer Androgynität (Doppelgeschlechtlichkeit), Homosexualität als Degeneration, Homosexualität als Vorstufe zum Wahnsinn und in Nähe zur Paranoia (Verfolgungswahn) u.s.w.
Im 20. Jahrhundert löste dann zunehmend die Psychotherapie die Psychiatrie ab: Dominante Vater- oder Mutterfiguren, Ich-Schwäche, Entwicklungshemmung, Narzißmus. Dabei gingen diese Wissenschafter immer von klinischen Einzelfällen aus und verallgemeinerten unzulässigerweise auf die Gesamtheit der homosexuellen Menschen. Auch heute noch haben manche Psychiater und TherapeutInnen den Heilungswahn. Im allgemeinen setzt sich aber auch im Bereich der Medizin und Psychotherapie allmählich die Überzeugung durch, daß Homosexualität weder krankhaft noch therapiebedürftig, weder minderwertig noch pubertär ist, sondern gleichermaßen wie die Heterosexualität eine Fähigkeit und Begabung zu erotischer Verbindung und personaler Beziehung darstellt.
Durch all die Jahrhunderte ließen sich Homosexuelle das gefallen, zumindest sind uns etwaige Widerstände nicht bekannt. Erst am Ende des 19. Jh. (Magnus Hirschfeld, Berlin) und besonders nach 1969 (erste Schwulendemo in New York, "Stonewall") entstand so etwas wie eine Schwulen- und Lesbenbewegung - letztere immer in starker Verbindung zur Frauenbewegung. Lesben und Schwule kämpfen mehr oder weniger erfolgreich um ihre gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung.
In Österreich erfolgte der Beginn recht spät 1977 mit der kleinen Gruppe "Coming Out", 1979 wurde die HOSI (Homosexuelle Initiative) gegründet, beide in Wien. Mittlerweile gibt es auch in unserem Land eine Fülle von Gruppen von Vorarlberg bis ins Burgenland. Nicht zuletzt ihren Bemühungen ist es zu verdanken, daß in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft die Diskriminierung abnimmt. Immerhin wurden homosexuelle Akte zwischen erwachsenen Männern in Österreich erst 1972 straffrei gestellt! In einigen Ländern Europas (z.B. Skandinavien) ist inzwischen sogar die staatliche Registrierung der Partnerschaft möglich.
Parallel zur "politischen" Bewegung entwickelte sich die "kommerzielle" Lokal- und Clubbing-Szene, die auf ihre Weise neue Lebensräume schuf. Neuere Entwicklungen in großen Städten, vor allem in WIen, deuten auf eine zunehmende Entghettoisierung hin: Eine geschützte "Szene" scheint für die jüngere Generation immer weniger nötig. Man gibt sich heute weniger betont schwul oder lesbisch, sondern ist es einfach. Selbstverständlichkeit ersetzt provokativen Aktionismus und bewußte Abgrenzung von der Heterowelt.
Homophobie meint die Angst vor der Homosexualität. Sie wirkt sich in verschiedenen Formen von Ausgrenzung, Nichtwahrnehmung und Gewalt aus. Homophobie zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten, wird von klein auf "mitgelernt", beeinflußt Politik, Wissenschaft und Erziehungswesen, ist aber vor allem in zwischenmenschlichen Bereichen (Familie, Freundschaften, Schule, Arbeitsplatz) spürbar. Ihr verdanken wir die Reproduktion verzerrter Bilder von Lesben und Schwulen und eine mächtige Geschichtsfälschung. Sie verleugnet die Zahl der Betroffenen und verhindert ihre Sichtbarkeit, weil sie Angst und Verschwiegenheit schürt. Homophobie äußert sich in Witzen verbaler und handgreiflicher Gewalt, in Mobbing und Verhinderung steuerlicher und rechtlicher Gleichberechtigung. Von ihr sind sogar Lesben, Schwule und Bisexuelle selbst angesteckt und finden aus ihrer Selbstdiskriminierung nur schwer heraus.
Homophobie ist verwandt mit Frauen- und Ausländerfeindlichkeit sowie Antisemitismus. Sie ist eine Form des Rassismus. Und dieser braucht, um sich stark fühlen zu können, die Unterdrückung des Andersartigen. So wird eigene Verletzlichkeit und mangelndes Selbstwertgefühl durch Aggression nach außen niedergebügelt. Besonders heftige Homophobie hat ihre Ursache oft in eigenen - verdrängten - homosexuellen Anteilen.
Homosexuell wird man durch Verführung.
Falsch. Die hetero- wie die homosexuelle Orientierung wird in der frühen Kindheit fixiert und ist unveränderlich. Sie wird freilich erst viel später entdeckt, und vielleicht kommt so manche/r beim "Ausprobieren" drauf, daß es für ihn oder sie das Entsprechende ist. Die "Verführungsthese" aber als Psychoschema ist Humbug.
Homosexualität wird durch ein Trauma in der Kindheit verursacht.
Falsch. Niemand weiß, warum jemand homo- oder heterosexuell wird. Es gibt verschiedene Theorien über Ursachen der Vererbung oder der Umwelteinflüsse. Keine überzeugt. Homosexuelle haben jedenfalls nicht mehr oder nicht weniger psychische Belastungen aus ihrer Kindheit zu bewältigen als Heteros. (siehe Kapitel "Ursachen")
Lesben haben nur noch nicht den Richtigen gefunden.
Falsch. Ein überhebliches Macho-Argument, das Frauen Selbstwahrnehmung und Selbstbestimmung abspricht. Auch schwingt da mit, Lesben seien unattraktiv. Wieder sollen Frauen als Lustobjekte der Männer herhalten.
Lesben sind Männerhasserinnen.
Falsch. Sie entgegnen männlicher Machtausübung und patriarchalen Strukturen vielfach klarer und entschiedener und lassen sich weniger leicht auf Macho-Spiele ein.
Homosexuelle Männer sind pädophil und verführen Buben.
Falsch. Homosexualität ist etwas ganz anderes als Pädophilie. Letztere meint Sex zwischen Erwachsenen und Kindern. Und es sind zu einem hohen Prozentsatz Männer, die Mädchen verführen und mißbrauchen. Dieses Vorurteil zählt zu den gemeinsten, zumal es mit der längst widerlegten Verführungsthese in Verbindung gebracht wird.
Homosexuelle Männer sind sexbesessen.
Falsch. Es gibt unter ihnen genauso wie bei heterosexuellen Männern solche, denen Sex sehr wichtig ist, und solche, denen er weniger bedeutet. Sicher ist, daß Homosexuelle ihre Sexualität früher nur in der Anonymität leben konnten und von der Gesellschaft bis heute auf Analverkehr und häufigen Partnerwechsel festgelegt werden. Das verkennt die Vielfalt und den Reichtum der Lebensformen homosexueller Menschen. Der Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Sexualität dürfte dagegen doch beträchtlich sein.
Du bist homosexuell, weil du zum anderen Geschlecht keine Beziehung aufbauen kannst.
Falsch. Homosexualität hat damit nichts zu tun, Leute des anderen Geschlechts nicht sympathisch zu finden, sondern daß das sexuelle Interesse eben zum eigenen Geschlecht geht. Tatsache ist. daß Frauen sehr gute Beziehungen zu Schwulen haben, weil diese Beziehungen nicht durch sexuelle Anmache belastet sind.
In homosexuellen Partnerschaften spielt eine/r die Männer-, eine/r die Frauenrolle.
Falsch. Vorerst stellt sich die Frage, was diese Geschlechterrollen eigentlich meinen: das Heimchen am Herd, den Macho, der das Geld heimbringt? Diese Klischees sind heute hoffentlich überwunden. In homo- und heterosexuellen Partnerschaften sollten beide fähig sein, von beiden Geschlechterrollen zu lernen. Lesbische und schwule Beziehungen bieten da sogar eine Chance wirklicher Gleichberechtigung: bei Entscheidungsfindungen, im Haushalt und im sexuellen Verhalten. Völlig absurd sind Vorstellungen wie, Schwule seien verkappte Frauen, Lesben verkappte Männer.
Positive Informationen über Homosexualität haben zur Folge, daß es mehr Homosexuelle gibt.
Falsch. Information kann Menschen nicht homosexuell machen, aber sie kann sie zur Annahme ihrer Homosexualiät ermutigen.
Alle Schwulen haben Aids.
Falsch. Die Schwulen sind in unserem Land längst keine "Risikogruppe" mehr, vielmehr ist Aids eine Krankheit, die alle betrifft. Viele scheuen den Kontakt mit Schwulen aus Angst vor einer Infektion. Doch nicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, sondern unvorsichtiges Verhalten kann das Risiko einer Ansteckung in sich bergen.
Mein Coming-Out ist vom Pfarrer zwar persönlich gut aufgenommen worden, das ganze Klima in der Gemeinde ist so auf Familie eingestellt, daß ich mir zunehmend fremd vorgekommen bin, ich hab mich einfach nicht gleichberechtigt gefühlt. Als Lesbe paßt man da nicht hin. Drum hab ich auch meine Freundin nie eingeladen, mit mir zur Gemeinde mitzukommen. Wenn du aber nicht ganz dort sein kannst, wirst du fremd. So war es dann bei mir, und ich bin irgendwann nicht mehr hingegangen. Heute ist das alles für mich kein Thema mehr.
Karin, 29
Ich habe in einer kleinen Gruppe von Christen und Christinnen ein Zuhause gefunden. Ein Freund hat mich dazu eingeladen. Die Gottesdienste sind da sehr persönlich gestaltet. Und wir schauen halt sehr aufeinander. Über die Amtskirche und deren Scheinprobleme reden wir kaum. Bei uns steht was anderes Im Zentrum: Das Wissen, daß Gott uns hält und stärkt. Daß unser Leben den Sinn hat, Liebe zu geben und Liebe zu bekommen. Keiner soll alleine herumhängen im Leben. Und eine Gruppe gibt diese Geborgenheit - und die Kraft, nach außen solidarisch zu sein. So kümmern wir uns um Flüchtlinge und Asylanten. Daß ich mit meinem Freund, wir als zwei Schwule, selbstverständlich dazugehören können, ist eh klar.
Wolfgang, 24
Die Stellung der offiziellen Kirchen zur Homosexualität ist sehr unterschiedlich:
Die röm.- kath. Kirche - zumindest ihre Hierarchie - läßt kaum Spielraum für eine offene Auseinandersetzung. Die vom Vatikan diktierte Position ist sehr klar, wenn auch widersprüchlich: Die homosexuelle Orientierung entspreche nicht dem Schöpfungsplan Gottes, wenngleich sie auch keine persönliche Schuld der Betroffenen sei. Das trifft erst auf die gelebte Sexualität zu, das dann als schwere Sünde gilt.
Einige Kirchen Nordamerikas, West- und Nordeuropas - vor allem im evangelischen Bereich - sind dagegen wirklich aufgeschlossen und lassen Lesben und Schwule zu kirchlichen Ämtern zu, Segnungen von Frauen und von Männern sind dort möglich. Es gibt auch eine eigene Homosexuellenkirche, die Metropolitan Community Church (MCC). In Österreich haben sich die evangelische und altkatholische Kirche auf einen ehrlich bemühten Weg gemacht, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Gott sah, daß es nicht gut war, allein zu sein. Gen 2
Und doch gibt es in den Kirchen immer auch Einzelpersonen, Gruppen, theologische Strömungen, die von den offiziellen Positionen abweichen - sei es, daß sie konservativer oder liberaler sind. Und sie gehören ja auch zu ihrer Kirche. Man muß daher bei einer Beurteilung einer Kirche sehr vorsichtig sein und die Vielfalt in ihr sehen.
Eines der häufigsten Argumente gegen Homosexualität ist, daß sie in der Bibel verurteilt wird. In den Kirchen gibt es da heute zwei Hauptrichtungen. Die eine meint, daß die Bibel von ihrem zeitlichen, kulturellen und religiösen Umfeld her verstanden werden muß. So gäbe es noch viele andere Verbote und Gebote der Hl. Schrift, die heute allgemein nicht mehr als modern oder relevant erachtet werden: das Verbot, gemischtfasrige Stoffe zu tragen (Lev 19,19) oder diverse Opferungsgebote. Diese historisch-kritische Schule anerkennt, daß Israel sich von fremden religiösen Kulturen distanzierte und alles, was damit zusammenhing (etwa die homosexuelle Tempelkulte der Kanaaniter), verbot (Dtn 23,18-19;Lev 18,22 und 20,13). Diese Abgrenzung findet ihren Ausdruck in kultischen Reinheitsvorschriften und hat ihre Vorläufer wahrscheinlich in uralten Tabus im eigenen Kulturbereich. Lesbische "Unzucht" findet keine Erwähnung. Sexualität dient allein dem Fortbestand des Volkes, außerdem ist die Ordnung patriarchal.
Die Sodomgeschichte, in kirchlicher Traditon lange völlig falsch interpretiert, hat die Verletzung des Gastrechts zum Thema Eine Vergewaltigung weiblicher Götterboten wäre nicht weniger eine Gesetzesverletzung. (Gen 19,1-11). So hat sie auch Jesus verstanden.
Auch die Paulus-Stellen können heute nicht mehr für gleichgeschlechtlich Liebende geltend gemacht werden (1 Kor 6,9-11; Röm 1,26-27). Diese Forschung anerkennt, daß diese Bibelstellen über Homosexualität, wie wir sie heute verstehen, nichts sagen kann.
Die andere Interpretation - wir nennen sie fundamentalistisch - nimmt auch heute noch jedes Wort der Bibel buchstäblich, wobei diesem Anspruch nicht konsequent gefolgt wird, sondern nur in jenen Fällen, die ideologisch genehm sind. Der Mensch als solcher wird trotz seiner homosexuellen Anlage geliebt (Liebesgebot), ein Ausleben dieser Anlage aber als Sünde veruteilt (Vatikan, Evangelikale). Extremisten glauben sogar an die "Heilbarkeit" der Homosexualität. Weiters macht man sich in Kirche und Gesellschaft gegen die rechtliche Gleichstellung Homosexueller stark. Dieser Tendenz wiederum möchte die christliche Schwulen- und Lesbenbewegung entgegenwirken.
David klagt: Mir ist weh um dich, mein Bruder Jonatan! Über alles lieb warst du mir. Wunderbar war mir deine Liebe, mehr als Frauenliebe. (2 Sam 1,26)
Wenn einer alleine liegt, wie soll er sich wärmen? Kohelet
Aber ist es nicht viel sinnvoller, von der Betrachtung der betreffenden Einzelstellen zu den Grundaussagen der Hl. Schrift überzugehen? Die Bibel ist eine Heilszusage für alle Menschen.
Ich danke Dir, daß ich so wunderbar geschaffen bin - Psalm 139
Sie spricht von der bedingungslosen Liebe Gottes, nach der Gott immer die Befreiung des Menschen sucht und ihm in seiner Identität gerecht werden will. Jahwe läßt dem Menschen Gerechtigkeit zukommen. Jesus holt die gesellschaftlich Toten ins Leben, jene, die ausgegrenzt werden, ruft er in die Mitte. Sie sollen ohne Unterschied das Leben in Fülle haben. Gott will Befreiung (Exodus) und Auferstehung (Ostern) - gemäß diesen beiden großen Erzählungen und Glaubenserfahrungen der Hl. Schrift - auch für Lesben und Schwule.
It all began the day I found that from the window I could only see a piece of sky. I stepped outside and looked around, I never dreamed it was so wide or even half as high. (Yentl)
Ausgehend von diesen Grundgedanken haben (nicht nur lesbische oder schwule) TheologInnen eine spezifische Befreiungstheologie entfaltet:
- Sie anerkennen die humanwissenschaftlichen Erkenntnis, daß Homosexualität keine Krankheit, weder willentlich noch durch Heilung veränderbar ist.
- Sie entlarven den Sexismus im Patriarchat, das liederliche Pärchen Frauenfeindlichkeit und Homophobie, als strukturelle Sünde.
- Sie deuten die Angst vor dem Anderen, dem Fremden als Angst vor sich selbst und als mangelndes Selbstbewußtsein.
- Sie erschrecken vor dem Befund, wie scheinbar notwendig Gesellschaften ihre Sündenböcke brauchen.
- Sie analysieren das Naturrecht als methodisch fragwürdiges Erkenntnismodell und willkürliches Element im herrschaftlichen Machtinstrumentarium.
- Sie wertschätzen den Reichtum menschlicher Sexualität - nicht nur Fortpflanzung, sondern auch körperliche Kommunikation, Lustgewinn, Aggressionsabbau, freies Spiel - und Teilhabe an der Körperlichkeit unserer menschlichen Existenz. Eine Einsicht, die jedem leibfeindlichen, manichäischen, neuplatonischen etc. Dualismus den Boden entzieht.
- Sie betonen den Zuspruch des biblischen Gottes, das Leben und nicht den Tod zu wollen, die Vision von Gesellschaft, die die vom Rand in die Mitte holt.
- Sie stützen sich auf eine Philosophie, für die jede ursprüngliche menschliche Erfahrung in der Begegnung mit einem Du gründet, in der Wahrnehmung anderer und eigener Existenz im Dialog (z.B. Martin Buber).
Aus solcher Theologie spricht die Ehrfurcht vor der Güte unserer Körper, vor der Sexualität als elementarer Begegnungsweise und die ausdrückliche Anerkennung der Homosexualität als Variante im Spiel der Schöpfung. Aus all dem lebt auch das Zutrauen lesbischer Frauen und schwuler Männer zu sich selbst, in das eigene Lebensrecht, die Dankbarkeit für das, was ihnen als sexuelle Sprache von Gott her zukommt.
Sexualität und spirituelle Suche
Für mich ist Sex wie ein Tanz vor Gott! Ein Lobpreis, daß
ich und mein Partner leben, daß wir einander riechen und schmecken, tasten und packen
können. Es wird mir das Geschenk des Lebens sonst selten so bewußt, so klar. Auch unsere
Endlichkeit. Denn die Zeit wird so anders erlebt, die Kostbarkeit jeder Sekunde. Der Sex
als Spiel, als Gewahrwerden unserer Grenzen, aber auch unserer Chancen, spiegelt das
göttliche Spiel, in dem wir stehen: daß der Tod die große Grenze ist, davor aber Leben,
Leben, Leben! Der Sex lehrt mich: Carpe diem - pflücke den Tag!
Johannes, 35
Unser Leben steht in der Spannung von Himmel und Erde, von
Geist und Materie. Beides gehört zu unserem Menschsein. Sexuelle Erfahrung kann da wie
eine Brücke sein: Sie erdet uns - und sie beflügelt uns. Sie entführt uns in andere
Welten - und läßt uns doch sehr den Staub, den Boden spüren. Ja, und in ihr liegt auch
etwas ganz Dunkles - weil Macht und Gewalt so leicht Eingang finden, weil wir beim Sex so
verletzlich werden.
Marlies, 41
Viele Lesben und Schwule wenden sich aus Enttäuschung von ihrer Kirche oder ihrer Religion ab. Nicht nur, weil sie sich in ihrer Identität nicht angenommen fühlen. Die Kirchen sind aus vielen Gründen nicht mehr Heimat für die Menschen. Und doch ist da die Sehnsucht, die Suche nach Quellen, aus denen unsere Seelen schöpfen können, nach dem, was uns lebendig macht, uns wirklich leben läßt und unserem Leben Sinn und Richtung gibt. Und die Suche geschieht inmitten unserer alltäglichen Lebenserfahrungen. Hier nur zwei Anregungen.
Bewußtes Leben - Achtsamkeit.
Wer sich darin übt, wird eine Verbindung zwischen Alltags- und sexueller Erfahrung finden. Einerseits kann eine gut entwickelte Fähigkeit zu Selbst- und Weltwahrnehmung den Sex reicher, vielfältiger machen. Wenn wir sensibel und einfühlsam durch die Welt gehen, wird sich das auch auf unseren Sex auswirken.
Andererseits kann das, was wir im Sex an Berührungsweisen, Tempo- und Intensitätsgraden, an Grenzsprengung und Ekstase erleben, unsere Alltagsberührungen, den Umgang mit jedem Ding - und sei es noch so unbedeutsam - bereichern, zärtlicher und vitaler werden lassen. Sexualität kann in alle Bereiche unseres Lebens eindringen und sie verwandeln. Sie kann uns einen spirituellen Umgang mit der Materie lehren: daß alles heilig ist und daß allem Ehrfurcht gebührt.
Außenseiter sein.
Auch hierin liegt eine große spirituelle Chance. Lesben und Schwule, die ihre Identität im Coming-Out erkämpfen mußten, haben viel von den Abgründen menschlicher Existenz erfahren. Jede Tiefenerfahrung aber ermöglicht auch in anderen Bereichen des Lebens, die Tiefe wahrzunehmen. Der Blick durch vertränte Augen ist nachher umso klarer. Wer Außenseiter war, könnte daraus gelernt haben: Es ist nicht gut, draußen zu stehen - für mich nicht, für andere nicht. Wem Toleranz und Annahme einmal versagt war, könnte in besonderer Klarheit erkennen können, wo andere um genau diese Grundelemente ihres Daseins gebracht werden und entsprechende Konsequenzen ziehen.
Guter Gott
Wir bringen vor dich unsere Unwissenheit::
Das Leben ist bunter, vielgestaltiger, als wir vermeinen
Die Schöpfung nicht nach unserem kleinen Bild
Der Farben sind viel mehr, als wir zu ahnen wagen
und Horizonte weiter als unser enger Blick
Guter Gott
Wir legen vor dich hin unsere Ängste:
Das Fremde läßt uns selber schwächer scheinen
Das andere gefährdet das Vertrauen zu uns selbst
Als brauchten wir Bestätigung durch einen Spiegel
Der Kraft uns schenkt und Sicherheit verleiht
Guter Gott
Wir klagen dir unsere Unbedachtsamkeit::
Der Schwulenwitz kursiert und lädt zum Lachen ein
Die Lesben sind in unserer Fantasie nicht wirklich Frauen
Die Rede von Ehe und Familie grenzt jene aus
Die mitten unter uns - meist unerkannt - andere Lebensformen wählen
Guter Gott
Wir werfen vor dich hin unsere Wut:
Sie kommt von jenen Tausenden von Jahren
In denen Tod und Marter drohten - die Kirchen waren mit dabei
Sie kommt von jenen vielen Schrecksekunden
Ob jetzt die Eltern alles wissen und es der Chef erfahren hat
Guter Gott
Wir treten vor dich hin mit unserer Stärke:
Wir sind gewiß daß du nichts schufst das nicht in deinem Sinne wäre
Und Glauben an den Exodus - den Weg ins freie offne Land
Wir sind gewillt Farbe zu bekennen wo da ein Schweigen herrscht
Und Recht zu fordern das die Minderheiten schützt
Guter Gott
Wir singen zu dir unsere Hoffnung:
Daß es gelingen kann für jede und für jeden:
Das Leben und sein größter Schatz das Lieben
Daß wie bei Noah nach der großen Flut
Ein Bogen von Licht jedem Geschöpf eine Zukunft weist
Judentum
Religion ist mir sehr wichtig, denn sie transportiert meine
Kultur. Doch manchmal könnte ich die Bücher gegen die Wand werfen, wenn ich einen von
diesen Abschnitten lese, die eine Beleidigung für mich als Frau und Lesbe sind.
Malin, 25
Es bestehen ganz ähnliche Klüfte zwischen liberal und traditionell wie im kirchlichen Feld. Eine Grundschwierigkeit liegt darin, daß im Judentum nach wie vor eine herkömmliche talmudische Schriftinterpretation vorherrscht - das Fehlen einer Zentralinstanz erschwert prinzipiell jede Änderung. Weiters ist die religiöse und kulturelle Vermittlung - vor allem in der Diaspora, also in der Minderheitensituation - besonders auf die traditionelle Familie konzentriert. Offenheit herrscht allein in der Reformbewegung, wie auch in der Reformgemeinde Or-Chadasch in Wien. In Europa gibt es derzeit nur vier offen lesbisch oder schwul lebende Rabbiner, alle in England.
Islam
Wenn mein Vater erfährt, daß ich schwul bin und immer so leben will, erschlägt er mich.
Achmed, 19
In diesem Kulturkreis ist der überraschende Widerspruch zwischen Theorie und Praxis augenfällig: In der Theorie ist da die klare und harte Ablehnung durch die islamische Lehre: im Koran (4:19; 7:81; 27:55; 29:28) und in der Hadith (da sogar Tod durch Steinigung). Die Gesetze der Scharia sehen die Steinigung auch heute noch vor. Ausschlaggebend ist jedoch, ob der "Täter" verheiratet ist. Denn das eigentliche Delikt ist der Ehebruch (17:32, 24:2-3). Durch ihn wird die Harmonie der Geschlechter und die Schöpfung Gottes auf den Kopf gestellt. Unverheiratete kommen mit 100 Peitschenhieben davon. Es braucht für beide Fälle aber vier integre Männer als Augenzeugen. Sind es weniger, werden die Zeugen mit 80 Peitschenhieben bestraft. Die Strafen sind also hart. Praktisch kommt es aber nie zu Verurteilungen. Homosexualität ist in islamischen Gesellschaften daher sehr verbreitet. Lesbische Homosexualität fällt unter dasselbe Gesetz, wird aber nicht ernst genommen.
Sicher gibt es auch im Islam theologische Ansätze, die eine ganz andere Sprache sprechen, aber unterdrückt werden, so wie der islamische Feminismus.
Hinduismus
Der indische Kulturraum ist von starken sozialen Zuordnungen geprägt. Soziales Verhalten mißt sich sehr stark daran, was man in der eigenen Kaste tun darf und tun muß. Abweichungen vom Normverhalten kann sich kaum jemand leisten. In allen Schichten und Kasten herrscht eine patriarchale und heterosexistische Ordnung, die allerdings in urbanen Zentren ins Wanken gerät. Selbst im Kamasutra, einem höfischen Erotiklehrbuch, sind die darin beschriebenen homosexuellen Sexpraktiken den heterosexuellen klar untergeordnet. Auch muß bedacht werden, daß der Hauptstrom des Hinduismus Sexualität überhaupt dem Bereich der Maya, der Welt des Scheines, des Truges, zuordnet und nicht hoch einachätzt. Andere Akzente finden sich jedoch im Tantrismus.
Buddhismus
Ziel der buddhistischen Lehre ist es, sich von Abhängigkeiten freizumachen. Je weniger Sex man braucht, umso weniger hängt man der Welt an, umso freier ist der Weg zum Selbst. Für diesen Weg ist aber jeder und jede selbst verantwortlich. Vorschriften zur Sexualität gibt es außer für Mönche keine. Als allgemeine Richtlinie, als ethische Grundforderung gilt, anderen - also auch mit der Sexualität - nicht zu schaden. Im Pali-Kanon - der "Bibel" der Buddha-Lehre - wird Homosexualität unter Mönchen verurteilt, sonst aber nicht thematisiert.
Esoterik - New Age
Die Bandbreite in diesem Bereich der Religiosität ist äußerst groß. Selbstfindung und persönliche Lebensgestaltung sind individualistisch geprägt. Das schließt umfassende soziale Ansprüche weitgehend aus. Jeder Mensch werde glücklich auf seinem Weg.
Ein oft verwendeter Begriff, der aus dem Amerikanischen kommt. Da gibt es einerseits das Selbst-Outing - in der Öffentlichkeit aus freien Stücken zur eigenen Homosexualität zu stehen - und andererseits das unfreiwillige Outing durch andere Lesben oder Schwule. Letzteres ist in Amerika und manchen Ländern Europas eine gängige und umstrittene Praxis. Betroffen sind davon meist Prominente, die "in the closet" sind, ihre Homosexualität also versteckt leben. Ziel solcher Outing-Aktionen ist es, Homosexualität in der Öffentlichkeit mit positiv besetzten Namen und Gestalten in Verbindung zu bringen. Es soll also niemandem geschadet werden, das Outing soll allein der "Sache" dienen. Eine andere Form zielt auf versteckte Schwule, die sich in der Öffentlichkeit schwulenfeindlich aufführen: Ein Outing soll ihre Doppelmoral entlarven. Interessant ist, wenn jemand ein Outing als Diffamierung betrachtet und Anklage erhebt: Es wird deutlich, daß Homosexualität gesellschaftlich nach wie vor als "Makel" gilt. Ein Outing führt in diesem Fall also dazu, daß der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten wird.
Die Bedenklichkeit dieses Mittel der Politik liegt darin, daß die Privatsphäre der Betroffenen nicht geachtet und angesichts der - noch - mangelnden Akzeptanz in der Gesellschaft deren Karriere riskiert. Außerdem werden die Outing-Aktionisten leicht zu den "Bösen" und der Effekt ist dahin.
Zweifellos wäre es aber schön, wenn viele Promis von sich aus das Wagnis eingehen und zu ihrer Homosexualität stehen würden. Sie könnten der großen Unbekannten "Homosexualität" ein sympathisches Gesicht verleihen und auf diese Weise viel zu mehr Toleranz beitragen. Das damit verbundene Risiko sollte jedoch besser jeder selbst einschätzen.
Berühmte Lesben, Schwule und
Bisexuelle
PHILOSOPHIE - WISSENSCHAFT
Sokrates - Platon - Erasmus von Rotterdam - Alexander von Humboldt - Justus von Liebig - John Keynes - Ludwig Wittgenstein - Alan Turing - Michel Foucault - Gertrude Stein - Mary Daly - Anna Freud - Dorothy Birlingham - Charlotte Wolff
POLITIK
David von Israel - Alexander der Große - Caesar - Tiberius - Augustus - Caligula - Nero - Hadrian - Richard Löwenherz - William der Eroberer - Edward II von England - Francis Bacon - Louis XIII von Frankreich - William II von Oranien - Prinz Eugen - Zar Peter I - Karl VI von Österreich - Marie Christine von Habsburg - Isabella von Parma - Friedrich der Große - George Washington - Ludwig II von Bayern - Erzherzog Ludwig Viktor - Feldmarschall Radetzky - Theodor Körner - Ernst Röhm - Dag Hammarskjöld - Florence Nightingale - Anita Augspurg - Lida G. Heymann
LITERATUR
Sappho - Dante Aleghieri - Wliliam Shakespeare - Christopher Marlowe - Jean-Baptiste Molière - Giacomo Casanova - John Milton - Friedrich Hölderlin - August von Platen - Heinrich von Kleist - Lord John Byron - Hans Christian Andersen - Walt Whitman - Lew Tolstoj - Emile Zola - Paul Verlaine - Arthur Rimbaud - Oscar Wilde - George B. Shaw - Virginia Woolf - Vita Sackville-West - Daphne du Maurier - Djuna Barnes - Patricia Highsmith - Colette - Marguerite Yourcenar - Natalia Ginzburg - Konstantin Kavafis - André Gide - Marcel Proust - William S. Maugham - Thomas Mann - Michail Kusmin - Jaroslav Haek - Jean Cocteau - Antonin Artaud - Thornton Wilder - Federico Garcia Lorca - Julien Green - Klaus Mann - W. H. Auden - Jean Genet - Tennessee Williams - Jack Kerouac - James Baldwin - Truman Capote - Allen Ginsburg
KOMPOSITION
Franz Schubert - Frédéric Chopin - Camille Saint-Saëns - Modest Mussorgskij - Pjotr I. Tschaikowskij - Maurice Ravel - Karol Szymanowski - Cole Porter - Francis Poulenc - Samuel Barber - Benjamin Britten - Leonard Bernstein - John Cage - Hans Werner Henze
POP - JAZZ
Jimi Hendrix - Lou Reed - Elton John - Klaus Nomi - David Bowie - Boy George - Freddy Mercury - Jimmy Somerville - Neil Tennant (Pet Shop Boys) - Marc Almond - George Michael - Andy Bell (Erasure) - Holly Johnson (Frankie goes to Hollywood) - Little Richard - Bessie Smith - Janis Joplin - Josephine Baker - Tracy Chapman - Melissa Etheridge - Ethel Smyth - K.D.Lang - Edith Piaf
BILDENDE KUNST - ARCHITEKTUR
Leonardo da Vinci - Michelangelo - Raffael - Benvenuto Cellini - Caravaggio - Moritz von Schwindt - Vincent van Gogh - Andy Warhol - David Hockney - Keith Haring - Robert Mapplethorpe - Pierre & Gilles - Rosa Bonheur - Evleen Gray - Renée Sintenis - Jeanne Mammen
BÜHNE - TANZ - FILM
Sergei Diaghilev - Vaslav Nijinsky - Rudolf Nurejew - Luchino Visconti - Derek Jarman - Pedro Almadovar - Per Paolo Pasolini - Gustaf Gründgens - Raoul Aslan - Rudolfo Valentino - Gary Grant - Sir Laurence Olivier - Jean Marais - Rock Hudson - James Dean - Sal Mineo - Theo Lingen - Clarke Gable - Joseph Kainz - Helmut Berger - Walter Sedlmayer - River Phoenix - Greta Garbo - Erika Mann - Whoopi Goldberg - Dorothea Neff - Doris Day - Zarah Leander - Marlene Dietrich - Hella von Sinnen - Therese Giese - Alfons Haider
KIRCHE
Päpste: Johannes XXII - Sixtus IV - Benedikt IX - Alexander VI - Julius II - Leo X - Julius III - Urban II - Aelred von Rievaulx - Anselm von Canterbury - Marga Bührig - Carter Heyward
Coming-Out, Lebenswelt, Eltern, Wissenschaft:
Bartels, Anke: Mein Kind ist so und nicht anders. Die Mutter einer lesbischen Töchtern erzählt. Düsseldorf 1997
Grossmann, Thomas: Eine Liebe wie jede andere. Mit homosexuellen Jugendlichen leben und umgehen. Reinbek 1988
Hauser, Maria: Im Himmel kein Platz? Lebensgeschichten von homosexuell Liebenden. Linz 1994
Lesben und Coming Out. Hrsg.: Redaktionsgruppe Coming Out. Zürich 1993
Müller, Wunibald: Homosexuelle Menschen. Mainz 1988
Rauchfleisch, Udo: Alternative Familienformen. Eineltern, gleichgeschlechtliche Paare, Hausmänner. Göttingen 1997
Rauchfleisch, Udo: Die stille und die schrille Szene. Erfahrungen von Schwulen im Alltag. Freiburg 1995
Rauchfleisch, Udo: Schwule, Lesben, Bisexuelle. Göttingen 1994
Wiedemann, Hans-Georg: Homosexuell. Das Buch für homosexuell Liebende, ihre Angehörigen und Gegner. Stuttgart 1995
Kirche - Glaube:
Barz, Monika u.a.: Lesbische Frauen in der Kirche. Stuttgart 1993
Boswell, John: Christianity, Social Tolerance und Homosexuality. Gay People from the Beginning of the Christian Era to the Fourteenth Century. Chicago 1980
Boswell, John: Same-Sex Unions in Premodern Europe. New York 1994
Bürger, Peter: Da war unser Mund voll Lachen. Befreiung für die Kirche und für Christen, die das gleiche Geschlecht lieben. Neuss 1996. Bestelladresse: Graf Bender Straße 6, D-41472 Neuss
Clunis, D. Merilee u.a.: Geliebte, Freundin, Partnerin. Eine Ratgeberin für Lesben und Schwule. Berlin 1995
Curb, Rosemary u.a.: Die ungehorsamen Bräute Christi. Lesbische Nonnen brechen das Schweigen. München 1988
Göttlich lesbisch. Facetten lesbischer Existent in der Kirche. Gütersloh1997
Rauchfleisch, Udo (Hrsg.): Homosexuelle Männer in Kirche und Gesellschaft. Düsseldorf 1993
Weizer, Jens: Vom andern Ufer. Schwule fordern Heimat in der Kirche. Düsseldorf 1995
Jugendbücher:
Arold, Marliese: Einfach nur Liebe. Sandra liebt Meike. München 1996
Edelfeldt, Inger: Jim im Spiegel. Ravensburg 1989
Chambers, Aidan: Tanz auf meinem Grab. Ravensburg 1990
Walker, Kate: Peter. München 1995
Beautiful Thing. R: Hettie MacDonald, Großbritannien 1996, 90 min
Der 15-jährige Jamie lebt mit seiner Mutter in einem Wohnsilo irgendwo in London. Ihr Verhältnis ist gespannt. Jamies ewige Trauermiene nervt die resolute Mama. Doch Jamie will eben seine Ruhe haben. Da unbekannte Prickeln, das neuerdings in seinem Körper tobt, macht ihn schon hilflos genug. Dann kriecht der Nachbarsbursche Ste auf der Flucht vor seinem sadistischen Vater bei den beiden unter. Hettie MacDonald gelingt mit ihrem grenzenlos optimistischen Debüt inklusive märchenhaftem Happy End und deftigem britischen Humor eine freche schwule Liebesgeschichte, die im europäischen Kino ihresgleichen sucht.
Der Priester. R: Antonia Bird, Großbritannien 1994, 104 min
Der junge und idealistische Priester Greg tritt in einer Gemeinde in Liverpool seinen Dienst an. Dort muß er mitansehen, wie sein frei denkender Kollege Matthew mit der Haushälterin gegen den Zölibat verstößt. Als er sich jedoch Hals über Kopf in einen jungen Homosexuellen verliebt, erfährt Greg am eigenen Leib, daß es nicht so einfach ist, das priesterliche Gelübde zu befolgen.
Gazon Maudit - Eine Frau für zwei. R: Josiane Balasko, Frankreich 1995, 105 min
Der Ehemann, die Ehefrau, die Geliebte. Ein klassisches Trio - auf den ersten Blick. Laurent ist mit Loli verheiratet. Sie haben zwei nette Kinder, ein schönes Haus bei Avignon, Laurent verdient gut, und die Ehe scheint sehr glücklich und harmonisch: Loli weiß nichts von Laurents zahlreichen Seitensprüngen. Schlagartig gerät dieses "idyllische" Bild kräftig ins Wanken, als Marijos klappriger Campingbus genau vor dem Haus der beiden eine Panne hat.
Ma vie an rose - Mein Leben in rosarot. R: Alain Berliner, Belgien u.a. 1997, 105 min
Beeindruckende Einblicke in die Lebenswelt des siebenjährigen Ludovic, der sich so sicher ist, ein Mädchen zu sein, ein "garçon-fille". Eine einfühlsame, tragisch-komische Geschichte um einen Transsexuellen und seine Familie.
Westler. R: Wieland Speck, Deutschland 1985, 94 min
Der wohl schönste deutsche Schwulenfilm, 1985 zum Teil mit versteckter Kamera im Osten Berlins gedreht. Felix, der Westler, und Thomas, der Ostler, haben pro Woche einen Tag ind pro Tag vier bis fünf Stunden, in denen sie nicht an die Grenzübergänge denken und in denen die Welt ihnen gehört. Immer wenn sie wieder von der Realität eingeholt werden, spüren sie schmerzhaft, wie sehr die Mauer sie trennt. Thomas entschließt sich von Prag aus zur Flucht in den Westen.
When Night is falling. R: Patricia Rozema, Kanada 1994, 93 min
Camille ist Professorin an einem protestantischen College und kurz davor Martin, ihren Langzeitlover und Colllegekollegen, zu heiraten. Doch Camille ist mit ihm und ihrem Leben irgendwie unglücklich - bis sie in einem Waschsalon Petra, eine aufregende Artistin, kennenlernt und von ihr "unerklärbar" angezogen ist.
HUG - Homosexuelle und Glaube ( = HUK - Homosexuelle und Kirchen):
Andere Service-Einrichtungen:
Aids-Hilfen
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Für den Inhalt verantwortlich:
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